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„…creatively find other defendants“
Oktober 29, 2009 | 2 Comments
So lautet der erschreckende Kommentar (siehe Artikelverweis unten) des Rechtsprofessors Carl T. Bogus von der anerkannten Roger Williams University School of Law in Bristol, im Zusammenhang mit den Entscheidungen bzw. Vergleichen im Rahmen des Discotheken Brandes 2003 in Rhode Island.
Zur Historie des Falles: während des Konzertes einer Rockband ist ein Brand durch unzulässige Pyrotechnik in Verbindung mit nicht feuerfestem Dämmschaum ausgebrochen. Dabei starben 100 Personen und viele weitere wurden verletzt.
Abgesehen von den unzureichenden Kontrollen der Baubehörde und der Feuerwehr, wurden im Laufe des Verfahrens zunehmend auch Firmen verklagt, die eigentlich nur am Rande als Beteiligte angesehen werden können. So mussten sich unter anderem die Promoter der Veranstaltung auf insgesamt ca. 42 Millionen US Dollar mit den Klägern vergleichen. Selbst das Busunternehmen, welches die Pyrotechnik ohne entsprechende Genehmigung transportierte, wurde in einen Vergleich gezwungen (ca. 500.000,00 US Dollar). Hingegen konnten sich die Eigentümer der Discothek mit den Klägern auf die Summe von 813.218,00 US Dollar einigen. Insgesamt wurden Vergleiche in Höhe von 175.380.500,00 US Dollar geschlossen.
Dies scheint ein perfektes Beispiel für die Art und Weise der Auswahl der Beklagten in den Vereinigten Staaten zu sein. Während die nach unserer Auffassung Hauptverantwortlichen – die Eigentümer der Discothek – relativ „günstig“ im monetären Sinne die Verhandlungen zu einem Abschluss geführt haben, sind die nur am Rande Beteiligten mit erheblichen Geldzahlungen belastet worden. Dies führt unweigerlich wieder zur notwendigen Diskussion über die Kulturunterschiede zwischen Europa und Amerika. Es wird deutlich, dass letztlich kaum noch mit logischen Gesichtspunkten ein Risikomanagement zu gestalten, geschweige denn eine entsprechende Rückstellung von Geldmitteln ermöglicht werden kann. Erschreckend ist aber die amerikanische Sichtweise, dass das „..creativly find other defandents…“ als richtiger Schritt bewertet wird.
Der Artikel des “The Boston Globe”: http://www.boston.com/news/local/articles/2008/09/21/the_cos…
Dieser Artikel stammt aus einem meiner früheren Blogs und wurde bereits im März 2009 geschrieben. Da sich die Grundeinstellung weder in den USA noch bei mir selbst geändert hat, finde ich, das der Artikel nichts von seiner Aktualität eingebüsst hat.
Comments
2 Comments so far
Was halten Sie von der Vermutung, dass die Einkommensverhältnisse der Diskothekbetreiber eine Rolle gespielt haben könnten (“Jeffrey and Michael Derderian, who received bankruptcy protection in 2006, …”)?
Und was soll dann daran bedenklich sein, sich Gedanken über andere Verantwortliche zu machen?
Und inwiefern würde das ein Geschädigtenvertreter in Deutschland/Europa anders machen?
Bedenklich finde ich nicht, dass sich jemand Gedanken über einen – wie Sie es zu Recht nennen – “Verantwortlichen” macht. Mir geht es um das “creatively”. Und genau nach diesem Motto scheinen sich seit einigen Jahren die Produktentwicklungen der Litigation Attorneys zu bewegen. Finde einfach eine “deep pocket” und drohe mit Discovery. Dann kann man schon sehen, ob vielleicht ganz schnell ein Vergleich zu schließen ist. Meine Bedenken liegen darin, dass die stetig zunehmende Klageflut (die ja mittlerweile dazu führt, dass die US Gerichte regelrecht verstopft sind), einzig dem Willen geschuldet ist, eine Partei zu finden, die einfach mal zahlt. Für mein Verständnis ist dies dem Aufruf zu entnehmen.